Drucken
Zugriffe: 211

Kriegsgräber/Lazarettfriedhof am Jagdschloss

 

DSC 1236kl


Während meines Urlaubes in Mecklenburg zufällig diesen Lazarett Friedhof gefunden. Es ist zwar in diesem Sinne kein Ehrenmal aber ich denke es passt doch in meine Sammlung Deutscher Soldatenfriedhöfe.

Sehr gepflegter Friedhof unmittelbar neben dem Jagdschloss Gelbensande, dem ehem. Lazarett.

 

DSC 1237kl

 

DSC 1240kl

 

DSC 1242kl

 

Am 1. Mai 1945 blieb auf den Bahngleisen in der Nähe des Jagdschlosses ein aus Pommern evakuiertes, aus zwei Eisenbahnzügen bestehendes Lazarett liegen. Sein Kommandant hatte von dem ungenutzt stehenden Fürstenhaus erfahren, ließ kurzerhand die etwa 750 Verwundeten ausladen und richtete hier ein Hilfslazarett ein. Die an Krankheiten oder Verwundungen Verstorbenen wurden auf dem unweit des Schlosses eigens angelegten Waldfriedhof beigesetzt. Neben Deutschen fanden hier Rumänen, Polen, Italiener, Letten, Littauer, Ukrainer und russische Wlassow-Soldaten ihre letzte Ruhestätte.

Hier liegen 53 Tote in Einzelgräbern und 5 Tote in Sammelgräbern

 

DSC 1246kl

 

DSC 1248kl

 

Dieser Lazarettfriedhof ist heute eine Kriegsgräberstätte. Schüler der Regionalen Schule Gelbensande haben mit Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgäberfürsorge e.V. in einem Projekt die Lazarettgeschichte eindrucksvoll aufgearbeitet, den Friedhof neu gestaltet und seine Pflege übernommen.

 

Hier nur ein kleiner Abschnitt aus der Geschichte des Jagdschlosses das im unmittelbaren Zusammenhang des Friedhofes steht.

1945–1989

Am 1. Mai 1945 wurde auf den benachbarten Bahngleisen ein Lazarettzug der Wehrmacht abgestellt. Der Lazarettzug hatte eine mehrwöchige Irrfahrt hinter sich. Aufgrund der Gefahr von Tieffliegerangriffen ließ Kommandant Dr. Hoffmann die 750 verwundeten Wehrmachtssoldaten im Jagdschloss und in weiteren Gebäude in Gelbensande einquartieren. 

Auch die sowjetischen Besatzungstruppen, die Anfang Mai 1945 das Gebiet besetzten, nutzten das Schloss weiterhin als Lazarett. Im Lazarett wurden folgend die ehemaligen Insassen des KZ-Außenlager Schwarzenpfost versorgt, die bis Kriegsende Zwangsarbeit bei den Ernst Heinkel Werken in Rostock verrichten mussten. Auf dem unweit vom Jagdschloss befindlichen Friedhof wurden 53 Verstorbene unterschiedlicher Nationen – Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter – begraben. An sie erinnert heute eine Gedenkstätte. 

Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone erfolgte die Enteignung der Mecklenburger Fürstenfamilie, die vor der Roten Armee nach Schleswig-Holstein in die britische Besatzungszone geflüchtet war. Im Zuge der Gründung der DDR wurde das enteignete Jagdschloss in das Volkseigentum überführt. 

Das Schloss wurde daraufhin dem staatlichen Gesundheitswesen zur Nutzung überlassen und diente bis 1979 als Tuberkulose-Heilstätte und Krankenhaus. 

Von 1980 bis 1985 diente das Schloss dem Wohnungsbaukombinat Rostock als Bauarbeiterunterkunft. Nach einem Beschluss der SED-Kreisleitung sowie des Rates des Kreises Rostock wurde in dieser Zeit in Gelbensande mit Mitteln des Wohnungsbauprogramms der DDR eine Plattenbausiedlung und die dazugehörige Infrastruktur errichtet. Kritik an dieser Maßnahme wurde seitens des Kulturhistorischen Museums in Rostock geäußert. Die Einstufung des unweit davon gelegenen Jagdschlosses als Denkmal fand keine Berücksichtigung im Entscheidungsprozess.

Nach der Nutzung als Bauarbeiterunterkunft – ab 1986 – erhielt die Gemeinde das Nutzungsrecht für das Gebäude. Zwischen 1986 und 1990 folgte die kommunale Nutzung durch die Gemeinde, die dort eine Gemeindebibliothek, den Veteranen Club, und Büroräume für den Abschnittsbevollmächtigten einrichteten. Im Jahr 1988 ging das Jagdschloss dann in das Eigentum der Gemeinde Gelbensande über. Daraufhin begannen die sogenannten Feierabendbrigaden mit der Sanierung des Gebäudes.

 

Das Schloss ist eine wirkliche Augenweide. Es beherbergt ein Restaurant, Hotel sowie eine kleine Ausstellung.

 

DSC 1253kl

 

DSC 1254kl

 

Gelbensande, Juni 2022